Motto 2006

MOZART-LINIEN

In einem Brief an Richard Wagner skizzierte König Ludwig II. 1864 ein Programm, mit dem er die Münchner Bühnenlandschaft revolutionieren und das Publikum „in eine gehobenere, gesammeltere Stimmung versetzen“ wollte. Auf dem Theater sollten hinfort die Schöpfungen von Calderón, Shakespeare, Schiller und Goethe dominieren; auf den Musikpodien die Werke von Gluck, Mozart, Beethoven und Weber: zwei zunächst getrennte Linienzüge, die sich dann jedoch im Schaffen Richard Wagners treffen sollten.

„Mozart-Linien“ – so hieß das Motto der Herrenchiemsee Festspiele 2006: eine Hommage zum 250. Geburtstag des Salzburger Genies. Dennoch sollte es nicht alleine darum gehen, das allfällige Jubiläum zu feiern – und Mozarts Schaffen damit aus dem Kontext der Musikgeschichte abzulösen. Sondern gemäß Ludwigs Postulat sollten zugleich die Linien erkennbar werden, die von Mozarts Schaffen in die Zukunft weisen. Sei es in der unmittelbaren Wirkung etwa auf Franz Schuberts „tragische“ Sinfonie. Oder sei es in der distanzierten Reverenz, wie sie Chopin, Tschaikowsky und Max Reger mit ihren Mozart-Variationen zum Ausdruck brachten. Ein gewichtiges Seitenthema bildete dabei das Oeuvre eines zweiten Jubilars: Dmitri Schostakowitsch, dessen Geburtstag sich 2006 zum 100. Male jährte und in dessen Schaffen sich besonders reizvolle Mozart-Anklänge finden.